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Zwiesel - Januar 2022 - Um dem Klimawandel entgegen zu wirken, will die neue Regierungskoalition einen Masterplan Schienenverkehr entwickeln und zügig umsetzen, den Schienengüterverkehr bis 2030 deutlich steigern und die Verkehrsleistung im Personenverkehr verdoppeln. Dass diese Pläne insbesondere auch im ländlichen Raum zum Tragen kommen, daran hat Stadtrat Hans-Peter Marx erhebliche Zweifel. In einem Beitrag für den Bayerwald-Boten hat der Orts- und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, der sich seit Jahren immer wieder kritisch mit der Verkehrsinfrastruktur in der Region auseinandersetzt, die aus seiner Sicht bestehenden Mängel im Bahnbereich zusammengefasst.
"Im vor kurzem vorgestellten bundesweiten Ranking des Aktionsbündnisses ‘Allianz pro Schiene’ schneidet Ostbayern am schlechtesten ab. Um im Bahnjargon zu sprechen: eine regelrecht abgehängte Region", schreibt Marx. Bei den Planungs- und Umsetzungsphasen der DB müsse man in Jahrzehnten rechnen. Dazu führt er als Beispiel die Verwirklichung des Stundentaktes auf der Strecke Zwiesel-Grafenau an. "Seit 2011 wird am Stundentakt geplant und gearbeitet, Ende 2022 soll er nun Wirklichkeit werden – hoffentlich."
Marx empfindet die Struktur der Deutschen Bahn als "unbeweglich und schwerfällig". Dazu verweist der FW-Vorsitzende auf diverse Schreiben, die er und auch Landtagsabgeordneter Manfred Eibl (FW) bezüglich "Missständen im Bahnhofsbereich von Zwiesel" an die Bahn gerichtet hätten, und die weitgehend folgenlos geblieben seien.
Laut Marx wurde zum Beispiel im Antwortschreiben des Konzernbevollmächtigten für Bayern das seit Jahrzehnten marode Wiegehäuschen im Zwieseler Bahnhofsareal angesprochen. "Für das Jahr 2010 war hier der Abriss durch die Bahn bereits schriftlich fixiert", so der Zwieseler Stadtrat. Doch in der neuesten Antwort vom September 2021 werde nun auf sehr hohe Kosten im höheren fünfstelligen Bereich verwiesen. Aktuell sei demnach kein Rückbau vorgesehen.
Marx führt weitere Punkte auf: Demnach sollte das Bahnhofsumfeld laut Bahnaussagen nach den Baumaßnahmen im Juli 2021 geräumt und wieder in einen ordentlichen Zustand gebracht werden. Davon könne allerdings keine Rede sein, findet der Zwieseler Stadtrat. "Als Beispiel für ein positives Erscheinungsbild sollte der Deutschen Bahn der Zustand des tschechischen Areals am Grenzbahnhof Eisenstein dienen", meint Marx, der auch den Zustand des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäudes in Zwiesel kritisiert. Dazu habe der Konzernbevollmächtigte gar keine Aussage treffen können.
"Die geplante angedachte Verkehrswende mit einer wesentlichen Stärkung der Deutschen Bahn dürfte mit der derzeitigen Struktur der DB wohl auf ein Abstellgleis führen", lautet die düstere Prognose des FW-Ortsvorsitzenden.? bbz