Die FW-Stadträte (v. li.) Hans-Peter Marx, Sepp Süß, Georg Stadler und Susanne Vilsmeier-Wenzl plädieren dafür, im Bereich Am Hochfeld, wo sie sich bereits vor einiger Zeit ein Bild vor Ort gemacht haben, ein Neubaugebiet auszuweisen. ?Foto: Archiv/FW
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23.09.2021
Stadt will neues Baugebiet ausweisen

Zwiesel - September 2022 - Weil verfügbares Bauland im Stadtgebiet Mangelware ist und man insbesondere jungen Familien die Möglichkeit schaffen will, sich in Zwiesel anzusiedeln, prüft die Stadt nun die Ausweisung von Neubaugebieten. Ein entsprechender Antrag der Freien Wähler hat bei der Stadtratssitzung am Donnerstag in der Mittelschule eine klare Mehrheit gefunden.

Georg Stadler erläuterte den Antrag seiner Fraktion in der Sitzung. Er verwies insbesondere auf die bevorstehende Ansiedlung des Grundsteuerfinanzamtes in Zwiesel, das Arbeitsplätze für weitere, meist junge, gut qualifizierte Leute in die Stadt bringe; das werde auch die ohnehin schon hohe Nachfrage nach attraktivem Wohnraum befeuern. Und die Stadt könne diesbezüglich – im Gegensatz zu Nachbargemeinden – wenig anbieten. Es seien bereits viele Zwiesler nach Lindberg oder Frauenau ausgewichen. "Zwiesel läuft Gefahr, die Chancen zu verpassen, die die aktuelle Situation für eine langfristige Stadtentwicklung bietet", sagte Stadler.

Konkret schlug die FW-Fraktion vor, die Erschließung eines Neubaugebiets "Am Hochfeld" zu prüfen und bei positivem Ergebnis umgehend mit den Vorarbeiten zu beginnen. Das Hochfeld ist der Hang, der sich vom Baugebiet Auf der Eben hinunter in Richtung Bahnlinie Zwiesel-Grafenau bzw. Lohmannmühlweg zieht.

Auch die Ausweisung eines Wohngebiets im Bereich Dr.-Georg-Priehäußer-Straße soll nach Ansicht der Freien Wähler geprüft werden, ebenso andere Möglichkeiten im Stadtgebiet, wie etwa das Umfeld der Augustiner- oder Böhmerwaldstraße. Und die Verwaltung soll zudem eruieren, ob sich Grundstücke im Eigentum der Stadt zum Bau von Mehrfamilienhäusern eignen.

Die Resonanz auf den FW-Antrag war überwiegend positiv. PWG-Sprecher Alois Fuggenthaler betonte, seine Fraktion fordere seit Jahren die Ausweisung von Baugebieten, habe aber bisher keine Unterstützung gefunden. "Die Stadt ist selbst schuld am Bevölkerungsschwund", kritisierte er. Die Ausweisung eines neuen Baugebiets sei "eine Frage des Willens". Man müsse Mittel dafür in den Haushalt einplanen, "dann wird man auch sehen, wie ernst dem Stadtrat das ist", sagte Fuggenthaler.

FW-Fraktionschef Hans-Peter Marx unterstrich diese Ausführungen, und auch sein Fraktionskollege Josef Süß plädierte mit Nachdruck dafür, sich um eine Ausweisung zu bemühen: "Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen." Man müsse schnellstmöglich prüfen, ob sich ein Baugebiet am Hochfeld realisieren lässt und dann umgehend in die Umsetzung einsteigen, so Süß.

 

Für den Antrag sprach sich auch Josef Leher (CSU) aus, merkte allerdings an, dass die Stadt in Rabenstein bereits Grund erworben und ein Baugebiet ausgewiesen habe, doch sei bislang in Sachen Erschließung nichts vorangegangen. Amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer (CSU) sagte dazu, das solle schnellstmöglich nachgeholt werden.

Die kritischsten Stimmen zum FW-Antrag kamen von Martin Lippl (Grüne) und Dr. Jörg Mertens (CSU). Er begrüße grundsätzlich das Vorhaben, Wohnraum zu schaffen, sagte Lippl, doch solle man vorrangig zentrumsnahe Flächen ins Auge fassen und nicht Außenbereiche, die sehr aufwendig und teuer erschlossen werden müssten. Zudem sei das Hochfeld als Nordosthang auch wenig geeignet für die Nutzung von Sonnenenergie für Solar- oder PV-Anlagen. Mertens sprach sich ebenfalls gegen eine "Zersiedlung" aus. Es gebe genug Platz für Wohnraum im Zentrum.

Mehrere Stadträte brachten aber zum Ausdruck, dass sie zwar ebenfalls Innenverdichtung sehr begrüßen würden, aber aus ihrer Sicht dennoch neues Bauland erforderlich sei. Zumal aktuell vorhandene Baugrundstücke in privater Hand kaum zu bekommen seien. Mit 18:2 Stimmen wurde der FW-Antrag angenommen. Es soll also zunächst geprüft werden, ob am Hochfeld ein Wohngebiet umsetzbar ist; dazu gehören sicherlich auch Grundstücksfragen. Wenn das Vorhaben realisierbar ist, soll so schnell wie möglich mit den Vorarbeiten zur Ausweisung begonnen werden. Ebenso sollen die Voraussetzungen für ein Wohngebiet an der Priehäußerstraße und in anderen Bereichen des Stadtgebietes unter die Lupe genommen werden, inklusive städtischer Flächen.

2. Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer hat nach eigenen Worten zuletzt zahlreiche Gespräche in Sachen Grundstücksverkäufe geführt. "Diese Gespräche haben gezeigt, dass die Verkaufsbereitschaft aktuell gering ist", sagte sie dem Bayerwald-Boten auf Nachfrage. Das Hauptargument der Grundeigentümer sei das derzeit niedrige Zinsniveau. "Es gab aber durchaus auch positive Rückmeldungen, die wir weiter verfolgen werden", so Pfeffer. "Mit dem Stadtratsbeschluss haben wir nun den offiziellen Auftrag, die Realisierung konkreter Baugebiete zu prüfen und gegebenenfalls umzusetzen."