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Zwiesel - September 2021 - Zum Bürgerstammtisch der Freien Wähler im Gasthaus Mooshof konnte Stadtrat Hans-Peter Marx den Leiter der Stadtwerke, Andreas Schuster, begrüßen. Er informierte die Runde umfassend über die momentane Situation der Stadtwerke. Besonders im Fokus stand dabei die Zukunft des ZEB.
Große Erwartungen setzt der Werkleiter in die Neubauplanung des städtischen E-Werks. Die mit Wasserkraft betriebene Anlage leide unter altersbedingten Einschränkungen und Störeinflüssen der Turbinen gegenüber den benachbarten Gebäuden, die einen Betrieb mit voller Leistung nicht mehr erlauben. Der geplante, zum Stadtpark hin verschobene Neubau, könne hier Abhilfe schaffen und eine enorme Effizienzsteigerung erzielt werden.
Die Wasserversorgung in der Stadt befinde sich insgesamt auf einem sehr guten Stand, so Schuster. Herausforderungen bestehen hier in anstehenden Sanierungsarbeiten, insbesondere im Bereich Rabenstein. Hier sollte laut Schuster eine Verbindung zum Versorgungsbereich der Stadt geschaffen werden, da das Rabensteiner Leitungsnetz bisher noch von diesem getrennt sei. Auf Dauer könne so eine gleichmäßige Versorgung besser gewährleistet und starke Gebührenanhebungen entgegengewirkt werden. Bei der Fernwärme stehe eine gute Ertragslage zu Buche, die man jedoch durch die Gewinnung neuer Abnehmer weiter verbessern wolle, so der Werkleiter.
Zum dominierenden Thema des Abends entwickelte sich erwartungsgemäß die emotional aufgeladene Diskussion um das ZEB. Während die Sauna kostendeckend arbeite, reiße das städtische Bad weiterhin Jahr für Jahr große Löcher in das Budget der Stadtwerke. Ohne den Defizitausgleich aus dem Haushalt der Stadt triebe das Bad die Stadtwerke in kurzer Zeit in den Ruin, schilderte Andreas Schuster die unbefriedigende finanzielle Situation.
Trotz jahrelangen Auslotens von Einsparmöglichkeiten und hervorragendem und motiviertem Personal liege die Kostendeckungsrate noch niedriger als bei anderen kommunalen Bädern. Auch die Besucherzahlen seien über die Jahre rückläufig.
Einigkeit in der Runde herrschte, dass ein Kaputtsparen des Bades nicht der Weg zu einem Durchbrechen der Negativspirale sein könne. Obwohl ein städtisches Bad in kommunalrechtlicher Sicht eine freiwillige Leistung darstelle und heute gar als Luxus gelten könne, sei dieses für Schulen, Vereine und auch in touristischer Hinsicht unverzichtbar. Stattdessen müssten die Besucherzahlen über eine Verbesserung des Angebots wieder gesteigert werden.Attraktivitätsverbesserungen verspricht sich der Stadtwerkeleiter kurzfristig von berechenbaren Öffnungszeiten und einer klareren Tarifstruktur. Dumping-Angebote soll es nicht mehr geben, stattdessen werde aufgrund von Vorschlägen aus den Reihen von langjährigen treuen Badbesuchern zum Beispiel die Einführung eines Vielnutzertarifs in Erwägung gezogen. Auch die Nutzung durch Vereine und Schulen soll auf eine neue Grundlage gestellt werden.
Mittelfristig strebe man bauliche Verbesserungen, insbesondere im faktisch nicht mehr genutzten Außenbereich an, so Schuster. Ein Konzept hierfür will der Stadtwerkechef dem Stadtrat voraussichtlich noch in diesem Herbst vorstellen. Hierbei seien Impulse aus anderen, erfolgreichen Bädern eingeflossen. Bereits verraten konnte Schuster, dass der Entwurf Charakteristika eines konventionellen Freibads mit denen eines Naturbads vereinen werde. Eine "Kannibalisierung" mit Frauenau wolle er dabei aber möglichst vermeiden.
Keine Zukunft wird in dieser Form wohl der bestehende "Gondelteich" haben, der sich eher zu einem teuren Refugium für Wasservögel statt einer Attraktion entwickelt habe. Auch das Piratenschiff sei in die Jahre gekommen und berge teilweise Verletzungsgefahren.
Größter Hemmschuh für die Bad-Pläne sei nach wie vor die weiterhin angespannte Finanzlage der Stadt Zwiesel, da somit jede Baumaßnahme von der Genehmigung durch das Landratsamt abhänge. Insoweit könne man hier Investitionen nur verwirklichen, wenn diese in der Gesamtrechnung das Betriebskostendefizit nicht weiter erhöhen.
Abschließend bedankte sich Hans-Peter Marx für die sehr aufschlussreichen Ausführungen und berichtete über den bis 2012 existierenden Förderkreis für das Zwieseler Bad, "Eine Wiederbelebung wäre sehr wünschenswert", so Marx.
bbz